Impuls
DIE ZUKUNFT IST GUT PART 1
„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“
Sagte der Autor des Kleinen Prinzen, Antoine de Saint-Exupéry
Was bedeutet das?
Der kenianische Philosoph John Mbiti beschreibt eine weitere, mich sehr inspirierende Zeitwahrnehmung, die er als Teil des Konzepts von „African time“ bezeichnet. Nämlich, dass Zeit nur dann besteht, wenn sie an Ereignisse und Erfahrungen gebunden ist und nicht als eigenständige, unabhängige Sache, welche linear in eine unbestimmte Zukunft fortläuft oder gar als eine nutzbarmachende (also auch zu verschwendende) Ressource anzusehen ist. Einfach gesprochen schafft man also erst Zeit, indem man etwas tut. Außerhalb dessen existiert sie nicht. Und sie dauert eben so lange, wie der Vorgang benötigt. Ein Jahr dauert so lange, bis die Jahreszeiten alle stattgefunden haben. Eine Schwangerschaft dauert so lange, wie sie dauert – und wird nicht in neun Monate aufgeteilt. So bekommt die Relativität von Zeit nochmal eine ganz neue Bedeutung.
Die Zukunft ist hierbei kein fernes Gespinst, sondern eine klare Konsequenz, eine Kausalität des Tuns. Und hiermit beschäftigt sich auch mein Impuls, mit dem ich heute hier beginnen möchte.
Stell dir vor, es wäre die Zukunft
Was ist passiert zwischen dem Hier und Jetzt und dem dann?
Haben wir uns mit allem verschätzt und wenn ja, ab wann
Hätten wir es besser wissen müssen?
Hätten wir besser das Ruder rumgerissen?
Lass uns einen Blick in die Zukunft werfen
Lasst uns ein Stück unsre Lupe schärfen:
Ist wirklich alles den Bach runtergegangen
Ging alles was wir hatten unter in Flammen
Ist wirklich alles so eingetreten
Was die Propheten
Uns warnend auf die Tische legten
Hat es nicht geholfen, brav zu beten
Als unter uns die Platten bebten
Als zitternd das Damoklesschwert
Das lange wir so unbeschwert
Verfluchten und beschönten
Herabfuhr, um uns zu töten?
Haben sich die Gräben zwischen uns
Zu unüberwindbaren Schluchten geweitet
Haben die Schäden der Missgunst
Den Verfall aller Brücken vorbereitet
Hat die Hitze uns erstickt
Und das Meer uns ertränkt
Als die Bombe schon tickte
Haben wir das verdrängt
Sind wir bis zuletzt in den Urlaub geflogen
Haben wir einander eine Zukunft vorgelogen?
Mir geht der Arsch auf Grundeis
Und selbst das schmilzt weg
Meine geistige Gesundheit verreckt
Am reality check
An meine Tür klopfen brennende Sorgen
Apocalypse now
Und Angst vor dem Morgen
Eine Untergangsahnung hat uns alle im Griff
Die Ratten gefangen auf dem sinkenden Schiff
Mein sense of doom ist nur ein Symptom
Der Krankheit einer ganzen Generation
Die zusieht wie die Krise ausartet
Die verzweifelt auf den Carcrash wartet
Es fühlt sich falsch an, den Sommer zu genießen,
Wenn alles um uns in Flammen steht
Wenn so schön die Blumen sprießen
Und die Welt immer schneller untergeht
Wir sind dieses Meme von diesem Hund mit Hut
Der im brennenden Haus sitzt und sagt: „Alles gut!“
[eigentlich sagt er „This is fine“, aber das war leider kein Reim]
Was mich wütend macht, ist, dass es eben nicht unausweichlich ist.
Dass es kein Meteor ist, der uns aus dem Orbit kickt
Kein schwarzes Loch, dass uns einfach so frisst
Sondern, dass es unsere eigene Gemütlichkeit ist, die uns langsam erstickt.
Aber warte kurz
Atme einmal tief durch
Ist das wirklich, was geschehen ist,
oder ist das die Furcht
die uns lähmt, die uns zwingt
in Tatenlosigkeit
uns beschämt, und uns nimmt
jeden Sinn für die Zeit
die uns bleibt
Stell dir vor, es ist uns doch gelungen
Haben wir uns echt noch durchgerungen
Ohne dass uns jemand dort oben gezwungen
Hat, haben wir einen Weg nach vorn gefunden
Zukunft ist nicht etwas, das einfach geschieht
Zukunft ist, was wir daraus machen
Das einzige Feuer, das man am Horizont sieht
Ist das Feuer der Tatkraft, das wir entfachen
Eine Zukunft zu haben, ist ein Privileg,
unsere Zukunft ist unsere Verantwortung
Die Zukunft ist kein grader Weg
Die Zukunft hat das Potenzial zur Veränderung
Was müssen wir also dafür tun, damit
Die Zukunft gut wird
Und keine Dystopie?
Nicht graduell schlechter
Nicht nur eine Theorie
Nicht nur gut gemeint
Nicht nur wohl gewollt
Der Stein muss gestoßen werden
Damit er rollt
Alleine können wir das nicht stemmen
Lassen wir uns nicht hemmen
Von den systemischen Lügen der Wettbewerbsmechanismen
Die Vereinzelung propagieren und gesellschaftliche Schismen
Und darin kein bisschen
Gemeinschaftsgefühl schaffen und zwischen
Den Menschen nur Misstrauen säen
Wie sollen wir die Zukunft ernten,
wenn wir alles niedermähen
was fremd scheint oder besonderer Pflege bedarf
Dabei haben wir Monokulturen schon längst als schädlich entlarvt
Solange wir zusammenhalten
Wird die Welt nicht zusammenbrechen
Die Zukunft ist gut, solange wir nicht aufhören
Differenziert miteinander zu sprechen
Wenn wir also einen Blick in die Zukunft werfen
Dann ist sie gar nicht so fern
Das Morgen hat das Heute ganz fest in seinem Kern
Und geben wir den Glauben nicht auf an den der Gutes tut
Dann tragen wir heute alle bei zum großen Zukunftsgut.
Dankeschön
Aileen Schneider